Auszug aus der PDF-Datei Im Namen der Menschheit

Bei der Person, welche im Folgenden von sich erzählt, handelt es sich um Dr. Mathias Rath, dem Entdecker des Faktums, dass Vitamin-C-Mangel Atherosklerose verursacht.

Anmerkungen zum Kapitel Durchbrüche in der Geschichte der Medizin dieser PDF-Datei:

 

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Wie alles anfing

Wie mein Interesse an der Herz-Kreislauf-Forschung geweckt wurde

Während des letzten Jahres meines Medizinstudiums starb mein Vater an einem Herzinfarkt. Niemand konnte dieses verhindern. Diese Situation hinterließ in mir den starken Wunsch, einen Teil meiner Zeit als Arzt der Herz-Kreislauf-Forschung zu widmen. Es ist der Traum jedes Forschers, einen Beitrag zur wirksameren Vorbeugung vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu leisten, um diese Krankheit zu reduzieren. Damals wusste ich noch nicht, dass ich eines Tages das Rätsel der Herz-Kreislauf-Erkrankung lösen - und damit zur Rettung von Millionen Leben beitragen sollte.

Es war Linus Pauling, der mir Anfang der 80er Jahre gesagt hatte, dass ich, wenn ich ein guter Arzt werden möchte, zuerst ein guter Forscher sein müsse. Diesem Rat folgte ich und arbeitete unmittelbar nach Abschluss meines Studiums an einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt an der medizinischen Klinik der Universität Hamburg mit. Ziel dieses Forschungsprojektes war die Feststellung des Mechanismus, wie sich Cholesterin und andere Fettpartikel in den Wänden der Blutgefäße festsetzen. Mitte der 80er Jahre waren cholesterinsenkende Medikamente auf ihrem Höhepunkt und das Hauptaugenmerk der internationalen Forschergemeinde lag auf dem „schlechten Cholesterin“ oder LDL als Hauptfaktoren für die atherosklerotischen Plaques und schließlich für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Lipoprotein(a)

Im Gegensatz zu diesen konventionellen Forschungen richtete sich mein Hauptinteresse auf Lipoprotein(a), einem neuen Risikofaktor (Anmerkung des Webseiteninhabers), der „klebstoffähnlich" ist. Unsere eigenen Studien mit mehr als zehntausend Forschungsdaten und Messungen ließen keinen Zweifel daran, dass das "schlechte Cholesterin", um an der Innenseite der Blutgefäßwand haften zu können, dieses biologische klebrige Lipoprotein(a) benötigt. Die zusammen mit meinen Kollegen gewonnenen Erkenntnisse waren ein wichtiger Meilenstein zum Verständnis der Art der Herz-Kreislauf-Erkrankung. Wir fanden heraus, dass sich überall dort, wo Cholesterin in den Blutgefäßwänden abgelagert wird, das biologische Klebeband Apo(a) befand. Es war klar, dass die Ablagerungen nicht von der Cholesterinmenge, sondern der Menge dieses "Klebstoffes" im Körper abhängig war. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht, dass auch dies lediglich ein Teil der Wahrheit sein würde und dass sich zeigen würde, dass Herzinfarkte und Schlaganfälle in erster Linie die Folge von Vitaminmangel sind.

Diese wissenschaftlichen Entdeckungen zum "klebrigen Cholesterin" Lipoprotein(a) waren so neu, dass die American Heart Association (AHA) die Vorstellung dieser Daten bei ihrem jährlichen Kongress 1988 nicht zuließ. Sie glaubten es einfach nicht. Erst ein Jahr später wurde ich von der AHA für eine Präsentation bei ihrem Jahreskongress in Anaheim im November 1998 eingeladen. Zur gleichen Zeit akzeptierte die AHA diese Erkenntnisse in ihrer offiziellen Zeitschrift Arteriosclerosis.

Es zeigte sich, dass Lipoprotein(a) ein zehnmal größerer Risikofaktor als Cholesterin war. Wichtiger noch, keine Medikamente, noch nicht einmal cholesterinsenkende Medikamente, konnten diesen Risikofaktor im Blut reduzieren. (Anmerkung des Webseiteninhabers) Die bei weitem faszinierendste Frage bei diesem neuen Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle war die Tatsache, dass er nur beim Menschen und selten bei anderen Lebewesen auftritt.

“Schlechtes Cholesterin” oder LDL wird mit Hilfe des “Klebstoffes” Lipoprotein(a) in den kleinen Rissen einer Arterienwand mit Vitaminmangel abgelagert.

Schon 1987 hatte ich die folgende entscheidende Entdeckung gemacht welche die Medizin für immer verändern sollte. (Anmerkung des Webseiteninhabers) Der klebrige Risikofaktor Lipoprotein(a) fand sich nur beim Menschen und anderen Arten, welche die Fähigkeit verloren hatten, ihr eigenes Vitamin C zu produzieren. Offensichtlich. Offensichtlich gab es einen Zusammenhang zwischen dem Lipoprotein(a)-Molekül und Mangel an Vitamin C. Ich begann sofort mit Experimenten zu Vitamin C und Lipoprotein(a) und führte später eine klinische Pilotstudie durch, in der sich zeigte, dass Vitamin C erhöhte Lipoprotein(a)-Werte auch senken konnte.

Versetzen Sie sich in das Jahr 1987 zurück. Vitamin C galt als Quacksalberei und keine etablierte Klinik war gewillt, die Durchführung von klinischen Studien mit Vitaminen in Betracht zu ziehen. Das Wissen, dass Vitamin C der Träger von Bioenergie der Zellen war, wurde in der medizinischen Ausbildung verbannt und patentierfähige Medikamente galten als einzige Form akzeptabler Medizin. Ich stellte prominenten Forschern meine Entdeckungen zum Zusammenhang von Lipoprotein(a) und Vitamin C-Mangel vor, u.a. dem Nobelpreisträger Michael Brown von der Medizinischen Universität in Dallas, Texas. All diese orthodoxen Forscher lehnten meine Entdeckung als verrückte Vorstellung ab. Aber ich gab nicht auf.

Wie es zur Zusammenarbeit mit Linus Pauling kam

Ich kannte Linus Pauling aus meiner Zeit als Medizinstudent. Erstmals hatte ich ihn bei einer Konferenz auf der Insel Mainau in Deutschland getroffen. Bei dieser Konferenz hatten junge Forscher die Gelegenheit, mit Nobelpreisträgern zusammenzutreffen. Später traf ich Linus im Rahmen der Friedensbewegung zur Verhinderung der Atomwaffen-Stationierung.

Im Jahr 1983 begleitete ich ihn auf einer Vortragsreise durch Deutschland. Bereits 1963 hatte Linus Pauling seinen 2. Nobelpreis für seine Hilfe beim Zustandekommen des Atomaren Teststoppabkommens erhalten. In den 80er Jahren traf ich mehrere Male als Student und junger Arzt mit Linus zusammen, doch keines der Treffen war von so entscheidender Bedeutung wie das Treffen auf seiner Ranch in Big Sur im Spätherbst 1989.

Die letzten beiden Wochen im Oktober befand ich mich auf einer Vortragsreise durch die Vereinigten Staaten und stellte die soeben in Arteriosclerosis, der Zeitschrift der American Heart Association, veröffentlichte Arbeit über Atherosklerose und den neuen Risikofaktor Lipoprotein(a) vor, die wir an der Universität Hamburg erforscht hatten. Man hatte mich eingeladen, diese aufregenden Forschungsarbeiten in der Abteilung für Stoffwechselkrankheiten der National Institutes of Health in Bethesda, an der medizinischen Fakultät der Universität Chicago, dem Baylor College of Medicine in Houston, der Forschungsabteilung für Atherosklerose an der Universität von Kalifornien in La Jolla und bei Genentech, dem berühmten Biotechnologieunternehmen in San Francisco vorzustellen. Die Lipoprotein(a)-Story war ein "heißes Thema" an jenen weltberühmten Forschungszentren, doch der Zusammenhang mit dem Vitaminstoffwechsel wurde dort gar nicht erkannt.

Für das letzte Oktoberwochenende hatte ich einen Besuch bei Linus Pauling auf seiner Ranch in Big Sur arrangiert. An diesem Samstag fuhr ich von San Francisco - wo ich am Freitag bei Genentech einen Vortrag gehalten hatte - nach Big Sur. Es war eine wunderschöne Fahrt von 4 Stunden auf dem landschaftlich schönen Highway 1 entlang der Pazifikküste. Ich hatte Linus bereits zuvor auf seiner Ranch besucht, doch ich spürte, dass dieser Besuch wichtiger war.

Nachdem ich die Viehtore der schmalen gewundenen Straße vom Highway 1 zu seiner Ranch hinunter passiert hatte,
erreichte ich schließlich das hölzerne Ranchgebäude, das sich Linus als Zufluchtsort für die letzten Jahrzehnte seines Lebens ausgesucht hatte. Die Haustür war nie verschlossen und ich trat ein und bahnte mir meinen Weg durch Berge von wissenschaftlichen Zeitschriften, die sich im Laufe der Jahre in dem Flur zwischen Eingangstür und Wohnzimmer angesammelt hatten. Linus saß in einem Drahtstuhl, der offensichtlich mehrere Jahr-
zehnte überdauert hatte. Das Wohnzimmer sah wie das Epizentrum eines ständigen wissenschaftlichen Wirbelsturms aus. Bücher, wissenschaftliche Artikel und handschriftliche Notizen über eines der ungelösten Rätsel der Physik, die Atomstruktur der Quasi-Kristalle, lagen herum. Linus hatte die letzten Monate an der mathematischen Analyse dieser Strukturen gearbeitet - nur mit seinem Verstand und einem Taschenrechner.

Linus hatte mein Eintreten nicht, bemerkt. Als er mich sah, sprang er auf "Hallo Matthias, gut, Dich zu sehen. Ich denke, dass wir heute über Deine wissenschaftlichen Arbeiten sprechen. Ich freue mich, dass Du unter die Forscher gegangen bist. Damit stellte er seinen Drahtstuhl an das Balkonfenster und bot mir den Stuhl gegenüber an. Ich sprach mit Linus über die neuen Risikofaktoren Lipoprotein(a) und meine Entdeckung, dass dieses Molekül nur beim Menschen und anderen Arten vorkommt, welche die Fähigkeit verloren hatten, ihr eigenes Vitamin C herzustellen. Ich kam sofort auf das Wesentliche zu sprechen: "Linus, es gibt einen offensichtlichen Zusammenhang zwischen Lipoprotein(a) und Mangel an Vitamin C, den bisher noch niemand erkannt halte." Während die Pazifikwellen gegen die Felsen unter uns brandeten, hörte Linus zu und stellte Fragen. Er hatte noch nie von Lipoprotein(a) gehört. Nach einer Stunde stand er auf und sagte: "Nun es gibt jedes Jahr rund lausend Veröffentlichungen über Vitamin C. Was ist hieran wirklich neu?"

Dies war einer der typischen Tests, mit dem der berühmte Wissenschaftler, der die Wissenschaft des 20. Jahrhunderts mitgeschrieben hat, den jungen Wissenschaftler auf die Probe stellt, wie überzeugt er von seinen eigenen Entdeckungen ist. Selbstverständlich war ich überzeugt! Ich antwortete: Linus, ich mochte einen Vorschlag machen, ich lasse Ihnen diese Unterlagen hier, damit Sie sie durchlesen können. Ich übernachte im Ragged Point Inn Motel. Ich werde morgen wiederkommen und dann können wir uns weiter unterhalten." Ich hatte Linus' Test bestanden und er antwortete zufrieden: "Sehr gut" Ich fuhr zurück zum Highway 1, überzeugt, dass ich am nächsten Tag von einem der brillantesten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts hören würde, ob meine Feststellungen nur Zufall oder ein Prinzip der Natur sind.

Das Ragged Point Inn Motel liegt einige Meilen südlich von Linus Ranch direkt über dem Pazifik. Ich übernachtete in einem Zimmer im Erdgeschoss und bereitete mich bis spät in die Nacht auf das weitere Gespräch am nächsten Morgen vor. Ich wusste, ich hatte nur eine Chance, Linus für dieses Projekt zu interessieren. Ich wusste, dass die Aminosäure Lysin die Fettpartikel von Lipoprotein(a) wahrscheinlich daran hindert, sich an den Arterienwänden festzusetzen. Ich machte Zeichnungen, wie die Kombination von Vitamin C und Lysin Ablagerungen in Blutgefäßen und die dadurch entstehenden Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern könnte.

Der nächste Morgen war der Beginn eines weiteren schönen Herbsttages für Kalifornien. Für die Menschheit war es ein historischer Tag — der Anfang vom Ende der Epidemie der Herz-Kreislauf-Erkrankung. Als ich um neun Uhr auf Linus' Ranch eintraf, wartete er bereits auf mich. Er sprang von seinem Stuhl auf und begrüßte mich mit Begeisterung. "Ich habe Deine Arbeiten studiert - ganz schön interessant!" Er versuchte dabei, die Kontrolle zu bewahren, doch er konnte seine Aufregung nicht verbergen. Wir unterhielten uns weitere drei Stunden lang und ich stellte Linus den möglichen therapeutischen Wert von Vitamin C in Kombination mit Lysin nicht nur zur Verhinderung der Ablagerung dieses gefährlichen Fettpartikels in den Arterienwänden, sondern auch zur natürlichen Umkehr der Herz-Kreislauf-Erkrankung vor - durch Freisetzung von Lipoprotein(a) aus diesen Ablagerungen.

Linus stimmte zu, schien aber vom folgenden entwicklungsgeschichtlichem Zusammenhang mehr fasziniert: Dem Verlust der Produktion von Vitamin C und das plötzliche Auftreten von Lipoprotein(a). Dies geschah fast zeitgleich vor ein paar Hunderttausend Generationen. "Ist es nicht erstaunlich, dass dieses Molekül in solch relativ kurzer Zeit während der Entwicklungsgeschichte erschien", fragte er. Ich erkannte, dass Linus' Sicht der wissenschaftlichen Probleme sich grundlegend von allen anderen Wissenschaftlern unterschied, die ich kannte. Die Bandbreite seines Denkens deckte Millionen Jahre in der Evolution ebenso ab wie die Struktur von Atomen, die noch nie jemand gesehen hatte.

Ich war ziemlich stolz, diese wissenschaftliche Koryphäe für meine Arbeiten interessiert zu haben. Dieser Sonntagmorgen endete damit, dass Linus mich fragte, ob ich meine Forschungen in Kalifornien fortsetzen wollte und er erklärte mir sogar die Größe seines Grundstücks und die Möglichkeit, ein oder zwei Häuser auf diesem Grundstück zu errichten. Den Grund, warum er diesen Gesichtspunkt ansprach, erkannte ich erst viel später. Er war ein mit seinem Lebenswerk über Vitamine lebendig begrabener Wissenschaftler. Er hatte soeben einen jungen Wissenschaftler getroffen, mit dem er nicht nur seine Ansichten einer besseren Welt, sondern jetzt auch ein gemeinsames wissenschaftliches Interesse teilte. Linus und mir war an diesem Morgen klar, dass meine Entdeckung die Chance bot, dass die gesundheitsfördernde Wirkung der Vitamine in der ganzen Welt Anerkennung finden. Beim Abschied sagte Linus: “Matthias, dies ist eine sehr wichtige Entdeckung. Ich glaube aber nicht, dass ich mehr tun sollte, als mit Dir darüber zu sprechen.” Offensichtlich spürte Linus, dass er an der Entdeckung nicht beteiligt war und sich lieber der Fortsetzung seiner aktuellen Forschung im Bereich der Physik und der Auflösung der Molekülstruktur von Quasi-Kristallen widmen sollte. Für mich jedoch war dies alles, was ich an diesem Tag wissen musste: Der zweifache Nobelpreisträger hatte meine Entdeckung als Naturprinzip bestätigt. Ich schwang mich in meinen Mietwagen und fuhr auf dem Highway 1 nach Süden, bis ich abends San Diego erreichte. Am nächsten Tag würde ich eine Präsentation an der Herz-Kreislauf Forschungsabteilung der Universität La Jolla durchführen. Aber jetzt war heute – mein Tag! Ich erinnere mich, wie ich Kühen, Seelöwen und alle anderen Kreaturen zuhupte, die mir an diesem sonnigen Oktobernachmittag über den Weg liefen.

Vier Tage später war ich wieder in Berlin, Deutschland und weitere zwei Tage später erhielt ich einen Brief von Linus Pauling. Er hatte seine dargestellte Indifferenz aufgegeben und zeigte offene Begeisterung. Er schlug vor, ich solle sofort eine wissenschaftliche Veröffentlichung über den Zusammenhang zwischen Lipoprotein(a) und Mangel von Vitamin C für die Beratungen der National Academy of Science schreiben. Wichtiger jedoch war seine Einladung, mich seinem Institut anzuschließen, eine Forschungsgruppe zur Herz-Kreislauf-Erkrankung aufzubauen und sein persönlicher Mitarbeiter zu werden.

Selbstverständlich konnte sich Linus den unzulänglichen Verhältnissen an seinem Institut nicht entziehen. In seinem Brief stand der Satz: “Ich glaube, wir haben sogar eine Ultrazentrifuge im Institut.” Die Verfügbarkeit einer Ultrazentrifuge war natürlich gerade einmal die Mindestausstattung für ein Forschungsinstitut, das diesen Namen verdiente. Mir war bewusst, dass die Forschungsmöglichkeiten an Linus’ Institut äußerst beschränkt sein würden. Ich schlief eine Nacht über die großzügige Einladung und rief Linus am nächsten Tag an. Ich dankte ihm für die Einladung bei ihm arbeiten zu dürfen, schlug sie aber aus. Ich hatte mich entschlossen, dieses Forschungsprojekt am Baylor College of Medicine in Houston fortzusetzen, eine der führenden Medizin-Zentren in den U S A. Ich erklärte dem Nobelpreisträger am Telefon: “Linus, wenn ich mit Ihnen über Vitamin C arbeite, ist es so, als ob alle Katholiken in den Vatikan ziehen. Ich möchte die Vitaminforschung in die etablierte Medizin einbringen, um ihre Akzeptanz auf breiter medizinischer Ebene zu beschleunigen.” Nach einer langen Pause antwortete Linus sichtlich enttäuscht: “Nun gut.” Ich hatte meine Entscheidung getroffen – für diesen Tag.

Wie wenig wusste ich, dass diese Entscheidung nicht mehr als 6 Wochen anhalten würde. Nach einem kurzen Zwischenspiel am Baylor College of Medicine im Januar 1990 nahm meine Faszination, der persönliche Mitarbeiter eines zweifachen Nobelpreisträgers zu werden, überhand. Ich packte meine Koffer und zog von Houston nach Palo Alto.

Tätigkeit am Linus-Pauling-Institut

Ich erinnere mich an den Tag Anfang 1990, als ich auf der Page Mill Road in die Silicon Valley Stadt Palo Alto hineinfuhr, nachdem ich gerade meine Zelte in Houston abgebrochen hatte. Ich war voller Ideen und Pläne, am Pauling Institut dieses Naturprinzip auf experimenteller Ebene schnell zu bestätigen.

Mein Auto hielt in der Page Mill Road 440. Das war das Linus-Pauling-Institut, wo ich während meiner Studienzeit mehrmals mit Linus Pauling zusammengetroffen war. Dieses Mal war es anders. Hier würde mein neuer Arbeitsplatz sein und eine der größten Erfahrungen in der Geschichte der Medizinwissenschaften lag vor mir. Ich war aufgeregt.

Außer Linus wusste niemand vom bevorstehenden wissenschaftlichen Erdbeben und der Folge von Explosionen, die an diesem eher ruhigen Institut stattfinden sollten. Um die wahre Natur dieser Entdeckung zu verschleiern und vor neugierigen Kollegen zu schützen, verabredeten Linus und ich eine Codesprache für dieses Projekt. Selbst der Vortrag, den ich Anfang Januar vor den Mitarbeitern des Pauling Institut gehalten hatte, behandelte nur die Arbeit an Lipoprotein(a) – ohne einen Zusammenhang mit Vitamin C zu erwähnen, was natürlich der wirklich aufregende Teil daran war.

Am nächsten Morgen hatten Linus und ich ein Gespräch mit dem Manager des Linus-Pauling-Institut. Linus sprach ihn direkt an: “Ich möchte, dass jeder an diesem Institut weiß, dass Matthias unter meinem persönlichen Schutz steht.” Erst später wurde mir klar, dass der zweifache Nobelpreisträger diese Erklärung nicht nur auf der Grundlage von Freundschaft und gemeinsamen wissenschaftlichen Interessen mit mir abgegeben hatte. Er wusste auch, dass dieses Institut einem Minenfeld glich.

Das Pauling Institut bestand schon zwei Jahrzehnte, hatte aber sein Profil als Vitaminforschungsinstitut verloren. Nur einer von zehn Forschern arbeitete an Vitamin C und Millionen Dollar an Spenden aus der ganzen Welt wurden für Forschungen verschwendet, die nichts im Entferntesten mit der Dokumentation der gesundheitsförderlichen Wirkung von Vitamin C zu tun hatte. Linus’ letztes Buch “How to live longer and feel better” enthielt zweihundert Literaturangaben, aber nur eine Handvoll stammte aus seinem Institut! Es war deutlich, dass der Nobelpreisträger sein Institut Leuten anvertraut hatte, die sich davor scheuten, den Kampf für die Anerkennung der Vitamine und deren Gesundheitsbedeutung aufzunehmen! Zehntausende Leser der Bücher von Linus Paulings verbanden seinen Namen mit laufender Vitaminforschung, doch die Verwaltung des Instituts scheute sich vor Kontroversen und der Aufnahme des Kampfes für natürliche Gesundheit.

In dieser Situation hatte der 90 Jahre alte Linus seine letzte Chance erkannt, einen jungen und enthusiastischen Forscher für die Fortführung seines Lebenswerkes zu finden. Mich als seinen persönlichen Schützling anzukündigen, hätte keine größere Bedrohung für die damalige Führung des Linus-Pauling-Institut bedeuten können. Die Folgen sollte ich schon bald zu spüren bekommen. Statt eines vernünftigen Arbeitsplatzes mit Schreibtisch und Stuhl wurde mir ein Platz in einer Ecke des fensterlosen Lagerbereichs des Pauling Instituts zugewiesen. Meine Bitte an die Institutsverwaltung für einen Forschungsassistenten, der im Labor helfen könnte, wurde mit dem Argument abgelehnt, das Institut habe kein Geld. Da ich nicht nachgeben wollte, brachte ich dem Hausmeister bei, die Elektrophorese-Experimente im Labor durchzuführen, damit ich mich auf die Ausarbeitung dieses medizinischen Durchbruchs konzentrieren konnte. Wochen, vielleicht Monate gingen verloren und erst ein Jahr später bekam ich schließlich einen qualifizierten Forschungsassistenten.

Schlüsselexperimente für den medizinischen Durchbruch

Das wissenschaftliche Konzept des Zusammenhangs zwischen Vitamin C und Lipoprotein(a) stand bereits fest. Die Tür stand weit offen, aber ich benötigte noch weitere wissenschaftliche Nachweise. Ich ließ mich aber nicht vom Weg abbringen. Ich richtete eine Studie mit Meerschweinchen ein, ein Tiermodell, das den gleichen genetischen Defekt wie wir Menschen hat: Meerschweinchen können kein körpereigenes Vitamin C produzieren. Das Experiment war klar. Meine Theorie war, dass sich bei Meerschweinchen atherosklerotische Ablagerungen bilden, wenn sie Vitamin-C-arme Nahrung erhielten. Darüber hinaus würden wir durch die Analyse der Ablagerung in den Arterienwänden die klebrigen Lipoprotein(a)-Fettmoleküle finden. Die Bedeutung dieses Schlüsselexperiments für Leben und Gesundheit von Millionen Menschen war nicht zu unterschätzen. (Anmerkung des Webseiteninhabers) Dieses Experiment würde den Schluss zulassen, dass ein ähnlicher Mechanismus im menschlichen Körper abläuft. Der Mangel an Vitamin C würde die Blutgefäßwände ähnlich wie bei der Seefahrerkrankheit Skorbut schwächen und anschließend würden Lipoprotein(a), Cholesterin und andere Risikofaktoren im Blut in den Arterienwänden abgelagert, um den verzweifelten Versuch zu unternehmen, diese Wand zu reparieren. Das würde beweisen, dass die Fettablagerungen in den Arterien kein Zufall oder reines „Schicksal“ sind, sondern dass die Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine direkte Reaktion unseres Körpers sind, um die durch Vitaminmangel geschwächten Blutgefässwände zu reparieren.

Der Augenblick der Wahrheit

Dieses Schlüsselexperiment wurde über fünf Wochen durchgeführt, fünf Wochen, die zu den längsten meines Lebens gehören. Selbstverständlich müssen Tierversuche auf ein absolutes Minimum beschränkt werden, da dieses Experiment aber für Gesundheit und Leben von Millionen Menschen von Bedeutung sein würde, wurde es von der Ethik-Kommission des Instituts genehmigt.

Oben: Meerschweinchen, die zu wenig Vitamin C in der Nahrung erhalten, entwickeln Arterienverkalkung und eine Herz-Kreislauf-Erkrankung

Unten: Meerschweinchen, die genug Vitamin C erhalten, haben freie Arterien.

Ich erinnere mich noch an den Tag an dem das Experiment abgeschlossen war und ich die Arterienwände der Meerschweinchen unter dem Mikroskop betrachtete. Bei den Meerschweinchen, die dem menschlichen RDA vergleichbar Vitamin C erhielten, bildeten sich Ablagerungen in den Arterienwänden, die Herzinfarkte und Schlaganfälle beim Menschen verursachten. Tiere, die vergleichbar zum menschlichen Körpergewicht zwei Teelöffel Vitamin C täglich erhalten hatten, behielten reine Arterien. (Anmerkung des Webseiteninhabers) Am wichtigsten war, dass dieser auffällige Unterschied nicht durch Hinzufügen von Cholesterin oder Fett zur Nahrung, sondern durch Weglassen eines einzelnen Faktors aus der Nahrung erhalten wurde – Vitamin C.

An dem Tag fühlte ich mich wie sich Columbus gefühlt haben muss, als er 1492 zum ersten Mal Land sah – nach jahrelangem Kampf und der Überwindung von Hindernissen. Ich ging zu Dorothy Munroe, 17 Jahre lang Sekretärin von Linus Pauling, und fragte sie, wo ich Linus erreichen und ihm die aufregende Nachricht mitteilen könnte. Sie bemerkte meine Aufregung und sagte: “Gehen Sie rein, er ist im Büro.” Ich machte nicht einmal die Tür hinter mir zu und rief: “Linus, kommen Sie, das müssen Sie sehen!”

Er hatte in seiner typischen Haltung Briefe und Korrespondenz diktiert, halb in seinem Sessel liegend, seine Füße auf dem Schreibtisch und seine schwarze Baskenmütze tief über die Augen gezogen, um ihn vor dem Neonlicht des Büros zu schützen. Er sprang im wahrsten Sinne des Wortes auf, setzte seine Baskenmütze richtig auf und begleitete mich in den Raum, in dem sich die Arterien der Meerschweinchen unter dem Mikroskop befanden. Die sichtbar dokumentierten Ergebnisse ließen keinen Zweifel zu: Die optimale Menge Vitamin C war die Lösung der Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Nachdem er ein paar Minuten durch das Mikroskop gesehen hatte, erhob sich Linus, drehte sich um und strahlte mich an: “Ich freue mich wie ein Schneekönig”. Er nahm mich beim Arm und wir gingen in sein Büro, um sofort über die nächsten Schritte und die Bedeutung für die menschliche Gesundheit zu sprechen.

Als ich an diesem Abend von Palo Alto entlang dem El Camino Real nach Menlo Park fuhr, wusste ich, dass Medizin nie mehr die gleiche sein würde. Gedanken erschienen mir wie Blitze und es eröffnete sich eine atemberaubende Perspektive. Ich sah, wie Menschen in der ganzen Welt sich dieser Entdeckung annahmen und sich Wissenschaftler anschlossen, um sie auf jeder Ebene weiter zu bestätigen. Ich stellte mir die Morgennachrichten mit der Überschrift: “Herzkrankheit kurz vor der Auslöschung” vor. Ich konnte ein neues Forschungsinstitut in den Himmel wachsen sehen. Wie konnte ich ahnen, dass der Kampf um die Anerkennung dieser einfachen Wahrheit gerade erst begonnen hatte und jahrelange harte Schlachten vor mir lagen.

Überall Irritation

Die ersten Reaktionen auf diesen medizinischen Durchbruch, auf die Veröffentlichungen und den Zusammenhang zwischen Lipoprotein(a) und Vitamin C waren pure Irritation. Versetzen Sie sich in das Jahr 1991 zurück. Alles drehte sich um den Zusammenhang zwischen Cholesterin und Herzkrankheiten. Alle glaubten an die Illusion, die Herzkrankheit durch Senkung der Cholesterinwerte bekämpfen zu können. Jedes große Pharmaunternehmen hatte Millionen in Werbeetats für neue cholesterinsenkende Medikamente investiert. Nur ein Prozent der Forscher hatte auch nur von Lipoprotein(a) gehört und die Tatsache akzeptiert, dass es ein zehnmal größerer Risikofaktor für die Herzkrankheit ist als Cholesterin.

Und nun kommt ein junger deutscher Wissenschaftler daher und veröffentlicht die unerhörte Schlussfolgerung, dass dieser herausragende Risikofaktor Lipoprotein(a) durch optimale Aufnahme von Vitamin C erfolgreich neutralisiert werden kann. Darüber hinaus hat er mit seinen neuen wissenschaftlichen Grundlagen fast alle wissenschaftlichen Erklärungen für die Herzkrankheit erschüttert, die es seit Anfang der Zeitrechnung gibt. Um alles noch zu übertreffen, erhielt er für die Schlussfolgerung, dass damit der Sieg über den Herztod möglich sei, die Unterstützung von Linus Pauling, dem einzigen Wissenschaftler, der zwei ungeteilte Nobelpreise erhalten hatte.

Nur zu Zeiten von Harvey, Pasteur und wenigen anderen wurde die medizinische Welt so in Frage gestellt wie im Jahr 1990-91.

Sowohl Linus als auch ich waren uns der Tragweite dieser Entdeckungen voll bewusst. Vor einer der Reisen die ich unternahm, um in Europa Partner zu finden die diesen Durchbruch hätten unterstützen können, sagte Linus zu mir: "Ich kann Dir keinen spezifischen Rat geben, du musst auf dein eigenes Urteilsvermögen vertrauen. Aber gleich was auch geschieht, vergiss nie, dass deine Entdeckungen zu den wichtigsten gehören, die je in der Medizin gemacht wurden."

Doch trotz der offensichtlichen Bedeutung dieser Entdeckungen für die gesamte Menschheit blieb eine öffentliche Diskussion erstaunlicherweise aus. Dass dies kein Zufall war, sondern Ergebnis einer regelrechten Medienzensur im Interesse der weltweit operierenden Pharma-Industrie, sollte ich erst später erfahren.

Das "Geschäft mit der Krankheit" durch die Pharma-Industrie ist unter allen Industriezweigen und Investmentbranchen das lukrativste Geschäft mit den höchsten Gewinnspannen. Das größte einzelne Marktsegment dieses "Geschäfts mit der Krankheit" ist der globale Markt für Herz-Kreislauf-Pharmapräparate. Fast 90% aller Pharmapräparate lindern lediglich Symptome, zum Beispiel Angina pectoris, helfen jedoch nicht die Ursachen der Krankheit zu beheben, z.B. die Schwächung der Arterienwand durch Vitaminmangel.

Für die Pharmamanager stand fest: Eine öffentliche Diskussion in den Massenmedien über den Zusammenhang von Vitamin C, Skorbut und Herzinfarkt hätte einen Pharma-Milliardenmarkt in seinen Grundfesten erschüttert und langfristig 90% aller Pharmapräparate überflüssig gemacht. Das konnten diese Interessenkreise nicht zulassen.

Die Angst der Pharmakonzerne vor der wissenschaftlichen Wahrheit war gigantisch. Die Reaktionen in den Chefetagen der Pharmakonzerne und unter ihren Handlangern in Medizin und Medien waren eine Mischung aus Erstaunen, Irritation und verzweifelten Versuchen, den durch diesen medizinischen Durchbruch verursachten Flächenbrand einzudämmen. Das Wissen über die Herzinfarkt-Skorbut-Verbindung fiel unter die Pharmainquisition. Die Möglichkeit, Millionen Menschenleben zu retten, wurde milliardenschweren Pharmainteressen geopfert.

Doch weder die Pharmaindustrie noch die von ihnen abhängigen Wissenschaftler oder Ärzte waren in der Lage, der Logik dieses medizinischen Durchbruchs öffentlich zu widersprechen. Seit James Lind gezeigt hatte, dass Limonen- und Zitronensaft der Schwäche der Blutgefäßwand vorbeugt, war klar, dass Vitamin C die Arterienwand stabilisiert und daher auch der Herz-Kreislauf-Erkrankung vorbeugt. Es war gerade diese frappierende Logik, welche die Multi-Milliarden-Dollar-Pharmariesen erschütterte.

Jeder strategische Schachzug, den die Pharmakonzerne in diesen Jahren planten, konnte nur unter der Bedingung Erfolg haben, dass es keine öffentliche Aufklärung über die Möglichkeit gab, die Herzkrankheit mit Vitaminen auszumerzen. Da meine Entdeckung eine globale Bedrohung für das "Geschäft mit der Krankheit" darstellte, reagierten die Pharmaunternehmen auf globaler Ebene.

Kernstück dieser Reaktionen war die Bildung zweier Kartelle. Das erste wurde als "Vitamin-Kartell" berühmt. Der Schweizer Hofman LaRoche-Konzern, die deutsche BASF, Japans Takeda und andere Hersteller von Vitaminrohstoffen taten sich zusammen und ließen sich zu kriminellen Preisabsprachen hinreißen, um sich durch eine künstliche Inflation der Rohstoffpreise an diesem medizinischen Durchbruch unrechtmäßig zu bereichern.

Das zweite Kartell wurde unter der Bezeichnung "Pharma-Kartell" berüchtigt. Dabei handelt es sich um eine weltweite Kampagne der Pharma-Industrie, die Verbreitung von Informationen über vorbeugende und therapeutische Gesundheitsmaßnahmen zu Vitaminen und anderen nicht patentierbaren Naturheilverfahren per Gesetzesgewalt verbieten zu lassen.

Beide Kartelle erfüllten die aufgestellte Grundbedingung: Die überragende Gesundheitsbedeutung von Vitaminen zur Vorbeugung von Herzkrankheiten wurde von beiden Kartellen bewusst verschwiegen und Millionen Menschen vorenthalten. Dabei warteten hunderte Millionen Menschen auf diese Informationen, weil sie ihr Leben hätten verlängern oder retten können.

Wie sich dieses irrationale und unverantwortliche Verhalten führender Pharmaunternehmen äußerte, möchte ich Ihnen im folgenden Abschnitt anhand meiner persönlichen Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit dem "Geschäft mit der Krankheit" aufzeigen.

"Cholesterin-Päpste" und erschütterte Dogmen

Joseph Goldstein und Michael Brown, zwei Forscher von der Universität Texas, erhielten 1985 den Nobelpreis für die Entdeckung, wie Cholesterin in die Zellen gelangt. Diese Entdeckung war zweifelsohne bedeutsam, aber deren Ausschlachtung durch die Pharmahersteller von Cholesterinsenkern war ein Skandal. Sie benützten die Verleihung des Nobelpreises zur Stützung ihrer unhaltbaren Theorie, dass Cholesterin die Herzkrankheit verursacht. Natürlich waren diese beiden Forscher nicht unabhängig, sondern hatten lukrative Beratungsverträge mit einer Reihe von Pharmaunternehmen, unter anderen mit Genentech in San Francisco.

Unsere erste Studie über den Zusammenhang von Lipoprotein(a) und Vitamin C wurde im Mai 1990 in der offiziellen Zeitschrift der Amerikanischen Wissenschaftsakademie, der National Academy of Sciences veröffentlicht. Kurz danach gab es eine Zusammenkunft von wissenschaftlichen Beratern von Genentech, an der Goldstein und Brown teilnahmen. Die beiden Wissenschaftler hatten noch nicht Platz genommen, als sie die Anwesenden im Raum fragten, ob sie die Veröffentlichung von Rath/Pauling über Lipoprotein(a) und Vitamin C gelesen hätten.

Hier waren die beiden Gurus, die jahrelang am Cholesterin-Herzinfarkt-Weltbild gezimmert hatten, das sich mit Hilfe der Pharma-Industrie zu einem Monster ausgewachsen hatte, das wohl noch am ehesten mit dem "Turm von Babel" verglichen werden kann. Und jetzt, mit der Entdeckung der Skorbut/Herzinfarkt-Verbindung hatte dieser milliardenschwere babylonische „Pharmaturm" ein Erdbeben der Stärke zwölf erlebt. Seine Baumeister wussten damals schon, dass von diesem Turm einmal kein Stein auf dem anderen bleiben würde.

Linus und ich malten uns mit großem Vergnügen das Ereignis aus, bei dem einer von uns in einem Vortrag die "wissenschaftliche Bombe" platzen lassen würde. Es sind zweierlei Dinge, wenn eine wissenschaftliche Entdeckung in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht wird und wenn der Entdecker diese erstmals persönlich in einem Kreis von Kollegen vorstellt. Ich bekam eine Einladung zur Teilnahme an einer Konferenz über Atherosklerose für August 1990 im italienischen Venedig. Fast alle bedeutenden medizinischen Forscher und wissenschaftlichen Meinungsmacher auf dem Gebiet von Cholesterin und Herzkrankheit waren anwesend, darunter auch Daniel Steinberg von der Universität von Kalifornien in La Jolla sowie Antonio Gotto, der ehemalige Präsident der American Heart Association und jetzt Chef des Baylor College of Medicine in Houston, Texas.

Thema meines Vortrages war die Rolle von Antioxidantien bei der Vorbeugung der Herz-Kreislauf-Erkrankung. Am Ende meines Vortrages hatte ich mir vorgenommen, die Entdeckung der Lipoprotein(a)/Vitamin-C-Verbindung als Voraussetzung für die erfolgreiche Bekämpfung von Herzinfarkt und Schlaganfall bekannt zu machen. In der Mittagspause verteilte ich Kopien der Rath/Pauling-Veröffentlichung aus der Wissenschaftszeitschrift Proceedings der National Academy of Sciences. Von diesem Augenblick an war die Konferenz nicht mehr dieselbe. Die Stimmung schlug um, und Toni Gotto fasste diese Beerdigungsstimmung in seinem Vortrag wie folgt zusammen: "Wenn Rath und Pauling richtig liegen, ist sowieso alles anders!"

Rückblickend mag der ehemalige Präsident der Amerikanischen Herzgesellschaft diese Erklärung bedauert haben, damals jedoch war es ein überraschend ehrlicher Ausdruck davon, dass das medizinische Universum soeben grundlegend neu entworfen worden war.

Selbst am Linus-Pauling-Institut war die Irritation über diesen medizinischen Durchbruch zu bemerken, insbesondere auch deshalb, weil Linus Pauling selbst diese umwerfenden Erkenntnisse unterstützte. Für die Forscher und die Verwaltung des damaligen Linus-Pauling-Institutes war die wissenschaftliche Voraussage des Endes von Herzinfarkt und Schlaganfall schlicht unerhört. Als sich Wissenschaftler aus anderen Forschergruppen des Pauling-Institutes aus Interesse meiner Arbeitsgruppe anschließen wollten, wurden sie von ihren Kollegen zurückgehalten. Sie wurden mit den Worten abgeschreckt: "Wer mit Dr. Rath arbeitet, ruiniert seine Karriere." Heute wissen wir natürlich, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Diejenigen Wissenschaftler, die sich dieser neuen Forschungsrichtung anschlossen, gehören zu den Gewinnern.

Besonders bemerkenswert waren die Umstände der Veröffentlichung wissenschaftlicher Abhandlungen in den Proceedings of the National Academy of Sciences. Diese wissenschaftliche Zeitschrift ist einzigartig, weil es nur einem sehr exklusiven Kreis von Autoren gestattet ist, dort zu veröffentlichen. Die Mitglieder der Akademie können jedes Jahr eine bestimmte Zahl von wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichen, ohne dass diese einer Zensur unterliegen. Zwischen Linus und mir gab es eine unausgesprochene Vereinbarung, dass ich die Beiträge schreibe und er sie zur Veröffentlichung in dieser renommierten Zeitschrift einreicht.

Die ersten beiden Arbeiten wurden in der Zeitschrift der Akademie ohne Probleme veröffentlicht. Doch dann formierte sich hinter den Kulissen der Widerstand. Für die dritte Veröffentlichung, eine Grundlagenarbeit, hatte ich Linus den nicht unbescheidenen Titel vorgeschlagen: "Die Lösung des Rätsels der Herz-Kreislauf-Erkrankung: Ihre Hauptursache ist Vitamin-C-Mangel, der zu einer Ablagerung von Lipoprotein(a) und Fibrin/Fibrinogen in der Gefäßwand führt." Linus Pauling legte der Wissenschaftsakademie diesen Beitrag vor. Der Chefredakteur antwortete, dass er ihn veröffentlichen würde, wenn wir mit einigen kleineren Änderungen einverstanden seien. Wir waren einverstanden. Doch plötzlich änderte der Chefredakteur seine Meinung. Gegen alle Regeln der Meinungsfreiheit für Akademiemitglieder entschloss er sich, das von uns eingereichte Manuskript der Zensur zu unterwerfen. Die Inquisitoren lehnten die Veröffentlichung dieses bahnbrechenden Beitrages mit der Bemerkung ab: "Da es kein Rätsel der Herz-Kreislauf-Erkrankung gibt, kann es für dieses Rätsel auch keine Lösung geben."

Ich erinnere mich, wie ich mit Linus über diese unverhohlene Zensur wissenschaftlicher Erkenntnisse und die Unterdrückung der Wahrheit sprach. Wir waren uns einig, dass wir das Spiel dieser Interessengruppen nicht mitspielen würden, die Veröffentlichung dieser wissenschaftlichen Sensation mit immer neuen Anforderungen und Kompromissen hinauszuzögern.

Wir beschlossen die sofortige Veröffentlichung dieser bahnbrechenden Arbeit im kanadischen Journal of Orthomolecular-Medicine. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, das Zitat aus einem Brief in das Vorwort aufzunehmen, den der Astronom Johannes Kepler 1630 an Galilei schrieb: "Mein lieber Kepler, was sagen Sie zu den führenden Philosophen hier, denen ich tausendmal angeboten habe, meine Studien zu lesen, und die mit der Trägheit einer Schlange, die sich sattgegessen hat, sich weigerten, die Planeten oder den Mond oder auch nur ein Teleskop anzusehen? Wahrlich, so wie Schlangen ihre Ohren verschließen, so verschließen die Menschen ihre Augen vor dem Licht der Wahrheit."

Ich schrieb auch eine kurze Einführung zu dieser Veröffentlichung, in der ich über die Zensur dieses Durchbruchs durch die Akademie der Wissenschaften berichtete. Ich wollte, dass die Menschen nie wieder vergessen, dass es so mächtige Interessengruppen in Wissenschaft und Medizin gibt, dass sie die Veröffentlichung der medizinischen Wahrheit ohne mit der Wimper zu zucken verhindern können. In diesem Fall war die Wahrheit so wichtig, dass sie das Leben von Millionen Menschen hätte retten können.

Ich erinnere mich, wie ich mit Linus über diese Zensur sprach und zu ihm sagte: "Eines Tages werden Wissenschaftshistoriker die Verantwortlichen für die Ablehnung dieser Veröffentlichung verantwortlich machen. In deren Haut möchte ich nicht stecken. Sie tragen die Verantwortung für unnötiges Leiden und vorzeitiges Sterben von Tausenden, vielleicht Millionen Menschen." Linus stimmte zu. Es bleibt zu wünschen, dass dieses Buch so viel Interesse weckt, dass dieser Aufarbeitungsprozess durch Historiker bald begonnen wird.

Uber all die Monate unserer Zusammenarbeit zweifelten weder Linus noch ich daran, dass wir Geschichte schrieben. Unsere einzige Frage war, wie lange es dauern würde, bis die ganze Welt von diesem medizinischen Durchbruch erfahren würde, um ihn dann zu nutzen.

Im nächsten Kapitel dieses Buches fasse ich die Meilensteine dieses historischen Prozesses über die letzten zehn Jahre zusammen. Im übernächsten Kapitel zeige ich die Hindernisse auf, die überwunden werden mussten, um diesem historischen Prozess zum Durchbruch zu verhelfen. Diese beiden Kapitel haben den Titel dieses Buches geprägt: "Im Namen der Menschheit."

Weiter geht es auf Seite 71 der auf einem Internetserver liegenden PDF-Datei Im Namen der Menschheit von Dr. med. Matthias Rath.

 

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